Windhuk/Kapstadt (dpa) - 14. September 2009
Kudu-Steaks mit Pinotage in karger Wüste: 1500 Kilometer durch das südliche Afrika
Mit dem Mietwagen fremde Länder
kennen lernen - für viele Urlauber ist vor allem der Weg das Ziel.
Häufig geht es dabei am Ende an den Ausgangspunkt der Reise zurück.
Anders ist das Konzept der grenzüberschreitenden «Cape to Namibia
Route» im südlichen Afrika, die derzeit im Aufbau ist. Hier wird
«Strecke gemacht», entweder von Kapstadt nach Windhuk oder umgekehrt.
Auf der 1500-Kilometer-Route warten viele interessante Eindrücke.
Eine «gute Fahrt» wünscht der junge Mann vom Autoverleih der
Touristengruppe, die sich in Windhuk auf die Reise begibt. Es ist
zwar möglich, von hier mit nur einer Zwischenübernachtung bis nach
Kapstadt durchzufahren. Um die Vielfalt der Landschaften entlang der
Strecke kennen zu lernen, sollte man sich aber mindestens eine Woche
Zeit nehmen - und genau das haben die Gäste aus Europa auch vor.
Windhuk ist die Hauptstadt eines Landes, das etwa doppelt so groß
wie Deutschland ist und in dem nur 2,1 Millionen Einwohner leben. Von
1884 bis 1915 war das heutige Namibia Kolonie des deutschen
Kaiserreiches. Spuren dieser Vergangenheit sind noch immer präsent:
Die einstige Paradestraße heißt zwar schon lange nicht mehr
Kaiserstraße, aber in der heutigen Independence Avenue fallen
zwischen den wenigen Hochhäusern mit modernen Einkaufspassagen
schmucke zweistöckige Gebäude mit spitzgiebligen Dächern aus der
kolonialen Epoche auf. Auch die Christuskirche stammt aus dieser
Zeit.
Das schnurgerade Asphaltband der B1 führt aus Namibias Kapitale
hinaus. Schnell sind die ersten 90 Kilometer zurückgelegt, und die
für namibische Verhältnisse große Siedlung Rehoboth mit 21 000
Einwohnern wird erreicht. Nur 15 Kilometer weiter weist ein Schild
darauf hin, dass der Wendekreis des Steinbocks passiert wird. Links
und rechts der zweispurigen Piste erstreckt sich eine scheinbar
endlose, karge Landschaft. Sie wird geprägt von verbrannten
Grasbüscheln. Nur vereinzelt sind grüne Sträucher zu finden. Hin und
wieder taucht eine Gruppe von Pavianen am Straßenrand auf, manchmal
zeigen sich auch Springböcke, Strauße oder Antilopen.
Von menschlicher Besiedlung künden allein Drahtzäune, die die
Grenzen der riesigen Farmen markieren. Wegen der kargen Vegetation
benötigen die Tiere große Weideflächen, um genügend Futter zu finden.
Vor allem Rinder und Karakul-Schafe werden gezüchtet. Mit der
sinkenden Nachfrage nach Persianerpelzen verloren viele Farmen jedoch
eine wichtige Einnahmequelle. Sie öffneten sich daher für Touristen
und bieten als Gästefarmen Unterkünfte mit familiärer Atmosphäre.
Einige dieser Farmen liegen in der Wüste Kalahari und eignen sich
für einen ersten Zwischenstopp. Die Unterkünfte, komfortable Chalets
auf Stelzen, thronen auf roten Sanddünen. Von der Veranda ergibt sich
ein Blick auf ein weites Tal mit einem Wasserloch, an dem Wild zu
sehen ist. Für die Gäste gibt es beim gemeinsamen Abendessen am
Familientisch Bier aus Windhuk und Pinotage aus Südafrika. Dazu werden
Steak, Braten oder Ragout von Kudu, Springbock und Strauß serviert.
Im Gespräch mit den Farmbetreibern können die Gäste aus erster
Hand erfahren, wie das Leben in der Kalahari ist. Spannend ist hier
die Gepardenfütterung: Aus dem offenen Geländewagen heraus beobachten
die Gäste, wie die Wildkatzen auf den Jeep zugerannt kommen und sich
über ihre Fleischration hermachen. «Jetzt können Sie aussteigen und
fotografieren», sagt der Guide. Nur zögernd verlassen die Touristen
das Fahrzeug, langsam setzt das Klicken der Kameras ein. Etwas
weniger aufregend geht es am späten Nachmittag auf der Pirschfahrt
zu, bei der Springböcke, Oryx-Antilopen und Giraffen zu sehen sind.
«Sie müssen unbedingt auch die berühmten Sanddünen von Sossusvlei
besuchen», empfiehlt ein englisches Ehepaar, das Namibia schon zum
dritten Mal bereist. Der Weg führt zunächst zurück auf die B1. Die
rund 250 Kilometer lange Piste nach Sossusvlei lässt sich an einem
halben Tag bewältigen. Die Dünen, deren Kämme der Wind täglich neu
formt, sind im Licht der aufgehenden Sonne am beeindruckendsten.
Ein kühler Seewind weht durch Lüderitz am Atlantik. Im Zentrum der
Stadt glänzen herausgeputzte Jugendstilhäuser. Größte Attraktion ist
aber die vor den Toren der Stadt am Rande des Diamanten-Sperrgebiets
liegende Geisterstadt Kolmannskuppe. Als alle Edelsteine eingesammelt
waren, wurde die Siedlung dem Wind und dem Sand überlassen. Nach
Anmeldung sind hier Tagestouren zu den Diamanten-Abbaustätten und zum
Bogenfels - einem 50 Meter hohen, natürlichen Felsentor - möglich.
Zu den größten Naturwundern des Landes zählt der Fish River
Canyon. Er liegt am Unterlauf des mit 650 Kilometern längsten Flusses
Namibias und ist von Lüderitz aus gut in vier Autostunden erreichbar.
Mit mehr als 500 Meter tiefen Abhängen gilt er nach dem Grand Canyon
in Amerika als zweitgrößte Schlucht der Welt. Das Naturschutzgebiet
erstreckt sich bis zum Oranje River, der Grenze zu Südafrika.
Schnell sind die Formalitäten erledigt, die Straße wird zur N7.
Wie in Namibia, ist auch hier die Region trocken, wenig bevölkert und
das Wasser an der Küste durch den Benguela-Strom zu kalt zum
Schwimmen. Vor allem Nachfahren der Nama siedeln hier. Sie gaben dem
Gebiet auch den Namen: Namaqualand. Jedes Jahr im August bietet die
karge, sonnenverbrannte Halbwüstenregion ein besonderes Schauspiel:
Wildblumen und Sukkulenten strecken plötzlich ihre Blüten der Sonne
entgegen und verwandeln ganze Täler in einen bunten Blütenteppich. Im
Goegab Nature Reserve unweit von Springbok bieten Rundfahrten mit dem
Auto sowie der zwölf Kilometer lange Ian Meyers Hiking Trail ideale
Möglichkeiten, dieses Naturwunder hautnah zu erleben.
«Die Blumen sind nur eine kleine Zugabe zum Zauber der
Landschaft», sagt Dudley Wessels. Im Geländewagen bietet er Touren
entlang der rauen Diamantenküste mit ihren endlos wirkenden Stränden
an. Zu bestaunen sind hier mehrere Schiffswracks und eine vielfältige
Pflanzenwelt, die jahrzehntelang wegen der Edelsteinfunde abgeriegelt
war und deshalb weitgehend unberührt geblieben ist.
Clanwilliam im Tal des Olifants River, 240 Kilometer von Kapstadt
entfernt, ist vor allem für seine Rooibos-Sträucher bekannt. Der aus
den Blättern gewonnene Tee wird in alle Welt exportiert. Der
ungeteerte Pakhuis-Pass am Rande der Kleinstadt erschließt die
nördlichen Cedarberge, deren Hauptattraktion die Felszeichnungen der
San sind. Dank des trockenen Klimas haben die «Rock Art»-Zeichnungen
der Ureinwohner Südafrikas viele Jahrhunderte überstanden.
Die letzten 150 Kilometer der Route werden von den Weizenfeldern
des Swartlandes geprägt, das seinen Namen von der fruchtbaren
schwarzen Erde hat. In Kapstadt wird der Mietwagen dann zurückgegeben
- und geht vielleicht an Urlauber, die damit bis Windhuk fahren, um
1500 Kilometer lang den Zauber des südlichen Afrika zu erleben.
INFO-KASTEN: Per von Windhuk nach Kapstadt
ANREISE: Flüge nach Windhuk werden regelmäßig von Air Namibia (ab
Frankfurt/Main) und LTU (ab Düsseldorf und München) angeboten. Flüge
nach Kapstadt bieten - zum Teil mit Umsteigen in Johannesburg - die
Lufthansa und South African Airways an.
FORMALITÄTEN: Für die Einreise nach Namibia und Südafrika genügt
für Deutsche ein noch mindestens sechs Monate gültiger Pass.
WÄHRUNG: In Namibia wird mit dem Namibia-Dollar bezahlt. 1 Euro
sind rund 8 Namibia-Dollar. Südafrikas Währung ist der Rand. Für 1
Euro gibt es rund 8 Südafrikanische Rand (Stand: September 2007).
KLIMA UND REISEZEIT: Die Route kann ganzjährig befahren werden. Im
Norden wird es zwischen November und März sehr heiß, angenehm ist es
im «Winter» von Juni bis August mit warmen Tagen und kalten Nächten.
In der Kapregion kann es dann auch kühle und regnerische Tage geben.
GESUNDHEIT: Sinnvoll ist ein Schutz gegen Tetanus, Diphtherie,
Polio sowie Hepatitis A und B. Wer sich länger in der Wildnis aufhält
sollte sich auch gegen Tollwut impfen lassen. Darüber hinaus ist ein
weitreichender Sonnenschutz mit Sonnenbrille, Hut, körperbedeckender
Kleidung und Sonnencreme ratsam, da die UV-Strahlung sehr hoch ist.
SICHERHEIT IN SÜDAFRIKA: Die Kriminalitätsrate ist hoch. Das gilt
vor allem für Großstädte. Das Auswärtige Amt rät, die Innenstädte von
Johannesburg, Pretoria, Durban und Kapstadt nach Geschäftsschluss und
an Sonntagen zu meiden. Auch tagsüber wird zu erhöhter Vorsicht
geraten. Stadtbesichtigungen und Township-Besuche sollten nur unter
ortskundiger Führung stattfinden. Im Auto sollten die Fenster immer
geschlossen und die Türen von innen verriegelt sein.
SICHERHEIT IN NAMIBIA: Nach Angaben des Auswärtigen Amtes nehmen
Diebstähle und Raubdelikte gegen Touristen, vor allem Einzelreisende,
auch in Windhuk und Swakopmund zu. Von Spaziergängen in der
Dunkelheit wird abgeraten. Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte
nicht an unbewirtschafteten und unbewachten Rastplätzen anhalten. Von
Überlandfahrten während der Dunkelheit wird ebenfalls abgeraten. Es
bestehe das Risiko eines Verkehrsunfalls wegen unbeleuchtet
abgestellter Fahrzeuge und auf der Straße befindlichen Tieren.
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