Eisenstadt (dpa) - 03. November 2009
Edlen Tropfen auf der Spur: Das Burgenland lockt mit Schnaps und Wein
Das Burgenland gilt als Heimat guter bis
hervorragender Rotweine. Vor allem die Blaufränkischen, aber auch die
teuren Süßweine aus dem Gebiet um den Neusiedlersee werden mit Erfolg
exportiert. Der Glykol-Skandal des Jahres 1985 ist fast vergessen,
und deshalb baut der Tourismusverband immer mehr auf das «Weinland
Burgenland». Doch auch die Schnapsbrenner in dem Ländchen im Osten
Österreichs, das weder mit dramatischen Bergen noch mit pittoresken
Seen werben kann, machen zunehmend von sich reden. Edle Brände sind
zu einem weiteren Markenzeichen des Burgenlands geworden.
Vor allem im Süden hat sich ein regelrechter Schnapstourismus
entwickelt - zum Beispiel in Kukmirn. Wenn in dem 2000-Seelen-Ort im
Spätsommer die Brennsaison beginnt, geht es sprichwörtlich heiß her.
«Wenn hier alle Bauern gleichzeitig brennen, steigt die
Außentemperatur um zwei Grad», sagt Kurt Lagler scherzhaft. Der
44-Jährige muss es wissen, denn seine Destillerie am Ortsrand ist die
bei weitem größte im «brennenden Dorf».
Früher, so erzählt Kurt Lagler, der mit seinen Bränden regelmäßig
internationale Preise gewinnt, wurde in der Region fast in jedem Haus
gebrannt. Doch auch heute gibt es allein in Kukmirn noch mehr als 30
Schnapsbrenner, die unter anderem für den «Ab-Hof-Verkauf»
produzieren. Die Familie Nikles zum Beispiel setzt jährlich etwa 2400
Flaschen Hochprozentiges ab.
Doch auch in anderen Regionen des Burgenlandes ist das Brennen
inzwischen für viele weit mehr als ein Hobby. Nach Angaben des
Finanzministeriums in der Landeshauptstadt Eisenstadt haben 12 500
Burgenländer - knapp fünf Prozent der Gesamtbevölkerung - eine Lizenz
zum Herstellen von Obstschnäpsen. Allerdings werden längst nicht alle
der Lizenzen, die bis auf Kaiserin Maria Theresia zurückgehen, auch
genutzt. Einen Überblick über die Geschichte des Hochprozentigen in
der Region gibt das Schnapsmuseum in Kukmirn.
Dass das Brennen von Schnäpsen aller Art eine durchaus mit der
Winzerei vergleichbare Kunst ist, können Urlauber in zahlreichen
Betrieben mit eigenen Augen erleben. «Am wichtigsten ist natürlich
die Frucht, und dass sie gut verarbeitet wird», erläutert Kurt
Lagler, der inzwischen zur Schnapsbrennerei auch ein «Wellness-Hotel»
betreibt, das Geheimnis der guten Schnapsbrennerei.
Er verwendet nur Obst aus seinen eigenen Gärten. Sie liegen an
vulkanischen Hängen rund um seinen Betrieb, mittlerweile sind es 15
Hektar. Im gesamten Gemeindegebiet von Kukmirn wird Obst auf 400
Hektar angebaut. Die meisten Brenner beschränken sich auf
traditionell verwendete Früchte: auf Marille - österreichisch für
Aprikose -, Zwetschge, Himbeere oder Birne.
Lagler hat dagegen in den vergangenen 20 Jahren «fast alles zu
Schnaps gebrannt, was die Natur liefert». Neben Quitten-, Schlehen-
und dem edlen Vogelbeerbrand verarbeitet er unter anderem auch die
nur noch im Burgenland angebaute Ur-Rebe Uhudler und wagte sich sogar
an die Produktion von eigenem Whiskey.
Urlauber, die immer häufiger mit Fahrrädern das sanft hügelige
Burgenland erkunden, gehören zunehmend zu den Kunden der
Schnapsbrenner. Noch gibt es keine organisierten Touren für Gäste,
die Hochprozentiges zum Thema haben - im Gegensatz zum Wein. Doch wer
sich die nötige Zeit nimmt, findet bei seiner Fahrt zahlreiche
Hinweisschilder wie «Edelbrände» oder «Ab-Hof-Verkauf».
Meist darf auch probiert werden. Doch Vorsicht: Edelbrände haben
durchschnittlich 40 Volumenprozent Alkohol. Das müssen ganz besonders
Autofahrer im Hinterkopf haben, denn die in Österreich festgelegte
Höchstgrenze von 0,5 Promille für Verkehrsteilnehmer ist beim Schnaps
schnell erreicht.
Anders als die Schnapsbrennerei ist der Weinbau aus dem Tourismus
im Burgenland schon lange nicht mehr wegzudenken. Spätestens seit dem
EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 sind die Winzer - dank der
Förderung aus Brüssel - ein bestimmendes Element für die Wirtschaft
der Region. Bis zum Ende des Kalten Krieges war das erst 1921 von
Ungarn zu Österreich gekommene Burgenland eine europäische
Grenzregion - den undurchdringlichen Eisernen Vorhang sozusagen
direkt vor der Nase.
Der Weinbau hat im Burgenland eine Jahrtausende lange Tradition,
die Ursprünge sind bei den Römern zu finden. Gesegnet mit dem milden
«pannonischen» Klima, das jährlich an rund 300 Sonnentagen mehr als
2000 Stunden mit Sonneschein bringt, produzieren etwa 600 Winzer
inzwischen Weine von Weltruf. Im Gegensatz zu den übrigen
Anbaugebieten Österreichs hat der Rotwein mit den landestypischen
Sorten Blaufränkisch und Zweigelt nach wie vor den höchsten
Stellenwert.
Jedes der vier großen Anbaugebiete hat seine landschaftlichen
Besonderheiten und Reize: Die ganz besonders sonnige Region
Neusiedler See, wo es über weite Strecken schilfbewachsene Ufer gibt,
ist die größte mit rund 250 Winzern. Im gleißenden, diffusen Licht
wachsen die Trauben für Süßweine, die längst zur internationalen
Spitze gehören.
Es folgt die Region Neusiedler-See-Hügelland mit den Zentren
Eisenstadt und Rust. Hier finden Urlauber eine der reizvollsten
Landschaften des Burgenlandes mit idyllischen kleinen Orten. Rust,
dessen «Markenzeichen» Dutzende von Storchennestern auf den Dächern
der alten Häuser sind, beherbergt eine der bekanntesten Weinakademien
Österreichs. Im der mittelburgenländischen Weinregion
Blaufränkischland entstehen Rotweine auf höchstem internationalen
Niveau.
Das im Ausland am wenigsten bekannte, aber landschaftlich nicht
weniger reizvolle vierte Weinbaugebiet ist das südliche Burgenland.
Obwohl es auch hier schon seit Ewigkeiten Winzer gibt, wuchsen in der
jüngeren Vergangenheit an den Hängen des hügeligen Landes vor allem
Obstbäume und -sträucher. Sie hatten die Weinstöcke ersetzt, die um
die Wende zum 20. Jahrhundert der Reblaus zum Opfer gefallen waren.
Doch der europaweit spürbare Trend zu hochwertigen Weinen hat in
den vergangenen 20 Jahren mehr und mehr junge Burgenländer ermutigt,
Winzer zu werden und den «Schritt zurück» zum Wein zu machen. Einer
von ihnen ist Ronni Herczeg, der bei Gaas im Süden des Gebiets Weine
produziert. Der 38-Jährige, von dessen Weingärten man einen guten
Ausblick auf die benachbarte pannonische Tiefebene hat, gehört noch
nicht zu den «Etablierten» im Burgenland.
Er begann Mitte der 80er Jahre, die Winzerei zum Beruf zu machen.
Obwohl Herczegs Weingut mit seinen fünf Hektar großen Anbauflächen
noch vergleichsweise klein ist, ist der Winzer mit dem Geschäft
zufrieden. Er verarbeitet zu 50 Prozent rote Sorten - Blaufränkisch,
Zweigelt und Merlot. Sie werden teils klassisch, teils im Holz
ausgebaut. Dazu kommen 40 Prozent Weißweinsorten: Welschriesling,
Chardonnay, Pinot Blanc und der für Österreich so typische Grüne
Veltliner.
Doch Herczeg, der auf seinem Hof regelmäßig neugierige Gäste
empfängt, pflegt wie mehrere seiner Kollegen hier im Süden auch die
Tradition: Mit zunehmendem Erfolg verarbeitet er die ursprünglich aus
den USA stammende Uhudler-Traube, die gerade in Österreich eine
Renaissance erlebt. Sein Uhudler-Frizzante oder der Uhudler-Sekt
verkaufen sich bestens. Doch trotz zahlreicher Preise für seine Weine
hat Herczeg den Schritt auf den europäischen Markt bisher nicht
gewagt. «Wir machen einen Schritt nach dem andern», sagt der Winzer
bescheiden. Doch der nächste komme bestimmt.
INFO-KASTEN: Burgenland
REISEZIEL: Das Burgenland liegt im Osten Österreichs und grenzt an
Ungarn sowie im Norden an die Slowakei und im Süden an Slowenien.
ANREISE UND FORMALITÄTEN: Der nächstgelegene Flughafen ist Wien.
Dorthin fliegen mehrere Fluggesellschaften von zahlreichen deutschen
Flughäfen aus. Auch bei der Anreise mit dem Auto geht es zunächst
nach Wien. Von dort aus weiter über die Autobahn A4 zum Nordufer des
Neusiedler Sees oder die A3 nach Eisenstadt. Die Fahrtzeit beträgt
von Wien aus etwa eine Stunde. Auf den Autobahnen und Schnellstraßen
besteht Mautpflicht. Österreich ist zwar ein «Schengen-Land» ohne
Grenzkontrollen bei der Einreise aus Deutschland. Die Mitnahme des
Personalausweises ist aber vorgeschrieben.
KLIMA UND REISEZEIT: Ganzjährig eher mild. Im Winter fällt in der
Regel wenig Schnee. Beste Reisezeiten sind Frühling und Herbst.
GELD: In Österreich wird mit dem Euro bezahlt.
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