Willemstad (dpa) - 06. November 2009
Vom Strand ins Museum: Curacao lockt mit Karibikflair und Kultur
Wer klettert am Karibikstrand aus seiner Hängematte und geht ohne Umwege ins Museum? Viele Sonnenanbeter auf der zu den Niederlanden gehörenden Insel Curacao, lautet die Antwort. Gäste des Eilands erwartet ein Mix aus unbeschwertem Urlaubsgefühl - mit Sandstrand, Palmen, Calypso und Rumpunsch - und anschaulich dargesteller Kultur. Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Geschichte Curacaos als früherer Sklaveninsel. Wie die steigenden Urlauberzahlen zeigen, scheint dieser Mix anzukommen.
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)/Vor allem in der Anlage «Kura Hulanda» in Curacaos Hauptort Willemstad geben sich neben Badeurlaubern auch Wissenschaftler und Studenten die Klinken in die Hand. «Kura Hulanda», das sind Gassen mit Kopfsteinpflaster, gesäumt von cremefarbenen Häusern. Die Gebäude beherbergen ein Hotel, Cafés und Restaurants ebenso wie ein Museum und ein wissenschaftliches Institut. In der Grünanlage vor dem Museum steht «Mama Africa». Das wuchtige Kunstwerk symbolisiert die historische Verflechtung der Karibik mit Afrika.
In den Ausstellungsräumen selbst ist die Zeit vom Beginn des Sklavenhandels in Westafrika im 15. Jahrhundert über die Bedeutung Curacaos als «Handelsplatz» für diese geschundenen Menschen bis zu Aufständen, Befreiung und «Black Power»-Bewegung dokumentiert. Theatergruppen stellen den Alltag in Sklavenschiffen und Szenen der Sklavenaufstände dar. «Ich habe mir einen Traum erfüllt», sagt Jacob Gelt Dekker, Gründer und Investor von «Kura Hulanda». Der Traum hat ihn mehr als sechs Millionen Dollar gekostet.
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)/Curacao liegt gut 50 Kilometer vor der Küste Venezuelas und hat etwa die Fläche von Usedom. Damit ist Curacao die größte Insel der Niederländischen Antillen. Die etwas mehr als 150 000 Einwohner haben ihre Wurzeln in Westafrika, aber auch in China, Indien, Portugal, Spanien und Südamerika. Einheimische haben einen Pass des Königreichs der Niederlande, ebenso wie auf den Nachbarinseln Aruba und Bonaire. Gesprochen werden Papiamento - eine wohlklingende Sprachmischung -, Englisch und Holländisch, aber auch Spanisch und manchmal Deutsch.
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)/«Hier sind alle Hautfarben und Religionen der Welt anzutreffen», sagt der auf Curacao lebende Thüringer Harald Weinrich. Als Tauchchef der Ferienanlage «Sun Reef Village» arbeitet er zwischen Korallenriffen, Schwämmen und Papageienfischen. Die ganze Insel ist ein Korallenriff, das sich über einem Berg gebildet hat, der unter der Meeresoberfläche liegt. Curacao ist nicht sonderlich fruchtbar. Deshalb werden Bananen, Zitrusfrüchte, Tomaten oder Mangos täglich unter anderem direkt von Schiffen herab verkauft. Die Bootsleute kommen aus Venezuela. Feilschen gehört dazu - meist auf Spanisch.
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)/Der Spaziergang von «Kura Hulanda», das im Stadtteil Otrobanda liegt, in die Altstadt Punda führt über die Ponton-Brücke «Koningin Emma». Sie überzieht die St.-Anna-Bucht. Wegen seiner gut erhaltenen Architektur aus der Kolonialzeit zählt Willemstad zum Weltkulturerbe der Unesco. Ein beliebtes Fotomotiv ist das «Penha»-Gebäude mit seinen prächtigen Giebeln und Arkaden. In Punda steht auch Fort Amsterdam, der Regierungssitz des niederländischen Insel-Verbundes.
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)/Nur fünf Fußminuten sind es von dort aus zur Synagoge «Mikvé Israel - Emanuel», ein ockergelbes Gebäude im Holland-Stil. Es ist die «älteste Synagoge auf dem amerikanischen Kontinent», wie die Gäste in der Broschüre erfahren, die im Museum nebenan zu haben ist. Damit sei nicht die Grundsteinlegung gemeint, sondern die Dauer der Nutzung, erklärt Reiseführerin Gigi Scheper gerade einer Gruppe von Kreuzfahrtpassagieren.
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)/Die Jüdin ist fast ebenso lässig gekleidet wie die Urlauber. Sie trägt eine Baseballkappe und ein blaues T-Shirt. «Wir wollen für die Touristen offen sein und haben keine strenge Kleiderordnung», erklärt Gigi Scheper. Die Männer unter den Urlaubern erhalten am Eingang der Synagoge die Kipa. Jede dieser obligatorischen Kopfbedeckungen hat einen anderen poppigen Farbton.
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)/Auf Curacao gibt es keinen Massentourismus wie auf Aruba. Die Einheimischen arbeiten daher nicht nur in der Tourismusbranche oder der Gastronomie, sondern auch in einer Ölraffinerie am Rand von Willemstad. Auch eine Brauerei zählt zu den Arbeitgebern. Das Wasser für das Bier stammt aus der Karibik. Die Entsalzungsanlage hat hohen mitteleuropäischen Standard - ebenso wie die Preise sowie das Gesundheits- und Schulsystem auf der Insel.
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)/Curacao hat zahlreiche Kiesel- und Sandstrände, wenn auch nicht die schönsten dieser Welt. Spektakulär sind allerdings die Surf- und Segelreviere sowie die Unterwasserwelt rund um die Insel. Ein Bild davon können sich Gäste im «Seaquarium» machen. Wer dort einen Riffhai füttern will, muss sich unter Wasser, aber nicht in Gefahr begeben: Durch Plexiglas von den Haien getrennt, kann er kleine Fische durch ein Loch schieben.
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)/Leider ist die Kriminalitätsrate auf Curacao - ebenso wie auf einigen anderen Karibikinseln - zuletzt deutlich gestiegen. Insulaner Louis Lopez Ramirez, Chef der «All West»-Tauchschule und -Bungalows, will nichts dramatisieren, sagt aber dennoch: «Seien Sie einfach vorsichtig, und meiden Sie nachts in Willemstad enge Straßen ohne Menschen.»
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)/Informationen: Regionalvertretung Fremdenverkehrsamt Curacao, Vasteland 82-84, 3011 BD Rotterdam, Niederlande (Tel. von Deutschland: 0031/104 14 26 39, Internet: Link: www.curacao-tourism.com; Link: www.curacao.de/de/index.html).
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