Flensburg, - 10. December 2009
Ob Punsch, Grog oder Feuerzangenbowle - Rum ist der Klassiker für kalte Tage
In den Geruch von Punsch und Glühwein auf den Weihnachtsmärkten mischt sich oft ein Hauch von Rum. Er veredelt die Heißgetränke geschmacklich und wärmt bei winterlichen Temperaturen. Wenn die Kerzen am Adventskranz brennen, öffnen die Feinschmecker auch die Rumtöpfe. Und Konditoren und Hausfrauen greifen öfter als sonst zur Flasche, um dem Gebäck für das Fest eine besondere Note zu verleihen.
Rum hatte ursprünglich nichts mit dem Weihnachtsfest zu tun. Er stammt aus Landstrichen des ewigen Sommers. Denn nur dort wächst Zuckerrohr, der Rohstoff zur Herstellung des Hochprozentigen. Die bis zu vier Meter hohe Pflanze wurde nach Überlieferungen schon in vorchristlicher Zeit in Indien kultiviert. Spanier und Portugiesen ließen sie in ihren neuen Besitzungen in der Karibik und in Brasilien anbauen.
In erster Linie ging es dabei um die Zuckergewinnung, denn dieser Süßstoff erzielte in Europa sehr hohe Gewinne. Sklaven aus Afrika mussten die schwere Arbeit auf den Feldern und in den Fabriken verrichten. Dabei entdeckten sie wohl den schnell zu Alkohol vergärenden Zuckersaft. Geschäftstüchtige Europäer schafften dann Anfang des 17. Jahrhunderts Destillieranlagen in die Kolonien.
Britische Seefahrer brachten das Getränk nach Europa. Im Auftrag der Krone besetzten sie 1655 das damals spanische Jamaica. Die Bevölkerung dort kannte bereits ein alkoholisches Getränk namens Rumbouillon, was so viel wie Aufruhr und Krawall bedeutete.
Für ein knappes Jahrhundert stand jedem Seemann der britischen Marine täglich ein Pint (0,568 Liter) purer Rum zu, bis der knauserige Admiral Edward Vernon im Jahr 1740 die Menge auf die Hälfte herabsetzte und eine Verdünnung mit Wasser anordnete. Zucker sorgte für besseren Geschmack. Flugs erhielt das Getränk den Namen Grog - in Anlehnung an der Admirals-Spitznamen «Old Grogram», den er angeblich seinem ständig getragenen alten Kamelhaarmantel verdankte. Im Englischen bedeutet das Wort aber auch schwankend, wackelig.
In den Zuckerfabriken der Karibik und Brasiliens erkannte man schnell, dass sich aus der anfallenden Melasse Schnaps in größerem Umfang brennen ließ. Sie dient heute noch als Rohprodukt, doch auch Zuckerrohrsaft selbst geht in die Destillerien. Frischer Rum ist wasserklar; die Farbe erhält er durch Zusätze von Zuckercouleur (Karamell) und durch das Reifen in Eichenfässern.
«Rum reift im karibischen Klima deutlich schneller als Cognac in Frankreich und Whisky in Schottland», weiß Carlos Villota, Brennereimeister in Havanna auf Kuba. So wetteifern die Brennereien im westindischen Inselreich miteinander um Qualitäten. «Ein Anejo, eine gut gelagerte alte Sorte, ist der Stolz jeder Destillerie und entsprechend teuer», erklärt Villota. Man trinkt sie pur und ungekühlt.
Rum ist keineswegs nur ein Getränk für kalte Wintertage. Auch in den Tropen ist er gefragt. Der Schriftsteller Ernest Hemingway ließ sich auf Kuba den «Mojito» - weißer Rum, Limettensaft, Zucker, Eis und Minze-Blätter - servieren. In Brasilien gilt die «Caipirinha» - weißer Rum auf gestoßenen Limonen, Zucker und Eis - als Nationalgetränk. Die Vielfalt der Rumsorten ist beeindruckend: Mehr als 1500 sollen es sein.
«Zum deutschen Zentrum für die Rumherstellung entwickelte sich Flensburg», erzählt Jutta Glüsing, Kustodin des Rum-Museums der Stadt. In dieser damals dänischen Hafenstadt importierten Brenner im 18. Jahrhundert Melasse aus der Karibik, um den begehrten Alkohol günstig herzustellen. Oder sie setzten gleich auf Original-Rum. «Eine groß angelegte Rum-Verarbeitung machte die Förde-Stadt reich», sagt Glüsing. Die Spirituosenhändler verdünnten das Hochprozentige auf eine entsprechende Trinkstärke.
Und da Original- Rum einen sehr intensiven Geschmack besitzt, den nicht alle mögen, wurde eine Mixtur mit neutralen Alkohol hergestellt, die bei der Grogbereitung besser ankam. «In diesem so genannten Verschnitt müssen mindestens fünf Prozent Original-Rum enthalten sein, der garantiert das Aroma. Er ist ideal für Grog.» Heute werden, wie die Kustodin mit leichtem Bedauern in der Stimme vermerkt, die Traditionsmarken nicht mehr in Flensburg produziert. Rum gehört auch zu einem Klassiker geselliger Winterabende, der bevorzugt Silvester genossen wird - der Feuerzangenbowle.
Empfohlen wird hierzu ein Verschnitt mit 54 Prozent, der den Zuckerhut durchtränkt und dann im Flackern der blassen Flamme die süße Masse schmelzen und in den Rotweintopf tropfen lässt.
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