Kuta (dpa) - 10. Dezember 2009
Nusa Lembongan und Bali - Zwei Welten an der Straße von Badung
Auf Bali tobt der Bär. Tausende Indonesier und
Touristen drängen sich durch die engen Gassen Poppies Lane 1 und 2,
und auf der Legian Street stauen sich knatternde Motorräder und
qualmende Autos. Das ist Kuta, der Haupturlaubsort der Insel. Hier
gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man liebt das Chaos, das
sich mit einer jugendlichen Ferienatmosphäre, balinesischem Dolce
Vita und buntem Strand- und Surfleben mischt - oder man hasst es.
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)/ In der Espresso Bar stimmt die Band «Welcome to my Paradise» an,
es gibt kein Halten mehr. Briten, Franzosen, Deutsche und Indonesier
tanzen ausgelassen, und der hochprozentige Palmwein «Arak» fließt in
Strömen. Giuseppe aus Sizilien ist dabei, ebenso wie Antonia aus
Großbritannien und Ashley aus Sydney - die drei gehen heute jedoch
etwas früher ins Bett, denn sie alle haben für den nächsten Tag einen
Ausflug auf Balis Nebeninsel Nusa Lembongan gebucht.
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)/ Als sich der riesige weiße Katamaran am Morgen nach
eineinhalbstündiger Fahrt dem kleinen Eiland nähert, ist sofort klar:
Mit lautem Getümmel, Hupkonzerten und Discos haben die Menschen hier
nicht viel am Hut. Ein weißer Strand erwartet die Gäste, bunte
Fischerboote wiegen sich im lauen Wind, und nur das Plätschern der
Wellen ist zu hören. «Wow, ist das schön!», entfährt es Antonia.
/(
)/ Nusa Lembongan liegt rund zwölf Seemeilen von Bali entfernt in der
Badung Straße, ganz in der Nähe der Inseln Nusa Penida und Nusa
Ceningan. Die Insel ist nur 4 mal 2,5 Kilometer groß und befindet
sich direkt an der sogenannten Wallace-Linie - der biogeographischen
Trennlinie zwischen asiatischer und australischer Flora und Fauna.
Sie ist nach dem Naturwissenschaftler Alfred Russel Wallace benannt,
der die Inseln zwischen 1854 und 1862 erforschte. Nusa Lembongan
bietet nicht nur herrliche Schnorchel- und Tauchgebiete, makellose
Strände und sauberes türkisfarbenes Wasser, sondern auch einmalige
Ausblicke auf Balis Götterberg Gunung Agung.
/(
)/ Die meisten Gäste buchen einen Tagesausflug auf die Insel. Dort
geht es gleich sportlich los: Auf Mountainbikes radeln sie zunächst
über holprige Wege. Zwar sind die Räder schon etwas heruntergekommen,
aber die Urlauber nehmen es mit einem Lächeln. Erster Stopp sind die
Mangrovenwälder von Lembongan. Auf kleinen Booten schippern die
Touristen durch den dichten Dschungel, es ist still, feucht und heiß.
Anschließend wartet die Hauptattraktion: der Algen-Anbau.
/(
)/ Der Rohstoff ist die Haupteinnahmequelle der Insel. Knietief im
Wasser stehend setzen die Einheimischen junge Schösslinge aus, nach
einem Monat werden die Algen geerntet. Anschließend werden sie
mehrere Tage auf Matten getrocknet, bevor sie nach Bali zur
Weiterverarbeitung verschifft werden. Die Pflanzen sind vor allem in
der Kosmetikindustrie begehrt, werden aber auch für Nahrungsmittel -
etwa bei Sushi - verwendet. Wer länger auf Lembongan bleibt und in
einem der luxuriösen Resorts absteigt, kann sich eine Algen-Packung
oder eine Algen-Massage gönnen.
/(
)/ Nach einem typisch balinesischen Mittagsbüfett wartet ein weiterer
Höhepunkt: Von einer vorgelagerten Plattform aus können die Gäste
eine Stunde lang die Unterwasserwelt von Nusa Lembongan erforschen -
und die hat einiges zu bieten. Kleine Riffe mit bunten Korallen und
Schwärme von tropischen Fischen erwarten die Schnorchler. Wer Glück
hat, kann sogar mit dem riesigen Bali Mondfisch (Mola Mola) tauchen -
mit fast 3,50 Metern der größte Knochenfisch der Welt. Zudem gibt es
fünf gute Surfspots an der Nordwestküste, die auf Namen wie
«Shipwreck» oder «Lacerations» getauft wurden.
/(
)/ Als der Katamaran am Nachmittag wieder in Richtung Benoa auf Bali
startet, beneidet so mancher die verliebten Paare, die einen
mehrtägigen Aufenthalt auf Nusa Lembongan gebucht haben. Das Eiland
wirkt so abgeschieden von der Welt, dass die Folgen der Attentate,
von denen Bali 2002 und 2005 erschüttert wurde, hier kaum zu spüren
sind. Anders ist das auf Bali selbst.
/(
)/ Nur langsam erholt sich die Tourismusindustrie von dem Schock der
Anschläge, die selbst eingefleischte Indonesien-Fans in aller Welt
verunsichert haben. Dennoch: Angst ist bei den Urlaubern, die sich
für eine Reise auf die Kleine Sunda-Insel entschieden haben, nicht zu
spüren. Auch amerikanische Fast-Food-Restaurants und Cafés in Kuta
und Sanur werden weiter gut besucht: «Wenn es einen trifft, dann
passiert das sowieso, drum können wir ja jetzt nicht ständig überall
auf der Welt in Angst leben», sagt Giuseppe aus Palermo.
/(
)/ Lediglich einige elegante Restaurants tasten die Gäste am Eingang
mit Metalldetektoren ab. «Auch in den großen Hotels wird jeder
kontrolliert, und Autos werden auf Bomben untersucht», sagt Kim, ein
Taxifahrer aus Sanur. Die Balinesen machen auch auf kuriose Weise
ihrem Ärger über die Attentate Luft. An den Kleider-Shops prangen
T-Shirts mit Aufschriften wie «Osama don't surf», was übersetzt so
viel heißt wie: Osama ist überhaupt nicht cool.
/(
)/ Ein Abstecher zur Gedenkstätte für die 202 Opfer des
Bombenanschlags auf die Disco «Sari Club» ist ein Muss für
Bali-Besucher. Jeder einzelne Name ist auf der Tafel mitten auf der
Legian Street verzeichnet. Links davon liegt eine grüne Wiesenfläche
- dort, wo einst Bali-Fans aus der ganzen Welt die Nächte
durchtanzten.
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