Klütz (dpa) - 13. August 2008
Alte Gemäuer zwischen Gerste und Mais: Herrenhäuser im Klützer Winkel
Die Weizenfelder reichen bis zum Horizont, ab
und zu schimmert in der Ferne die Ostsee. Auch Gerste, Raps,
Zuckerrüben und Mais wachsen im Klützer Winkel. Wie so viele Regionen
Mecklenburg-Vorpommerns ist der äußerste Nordwesten des Landes stark
vom Ackerbau geprägt, auch wenn der Tourismus hier ebenfalls eine
wichtige Rolle spielt. Er konzentriert sich aber vor allem auf den
Badeort Boltenhagen mit seinen rund 9000 Gästebetten, der an schönen
Sommerwochenenden zusätzlich von bis zu 15 000 Tagesgästen überrannt
wird. Abseits der Strände ist es deutlich ruhiger.
Doch auch dort gibt es viel zu entdecken - zum Beispiel mit den
Schlössern Bothmer und Kalkhorst zwei besonders interessante unter
den insgesamt 2000 Guts- und Herrenhäusern des Bundeslandes. Schloss
Bothmer liegt nahe der Stadt Klütz und gilt als schönste Barockanlage
ganz Mecklenburgs. Für Sebastian Nordmann, Intendant der Festspiele
Mecklenburg-Vorpommern, ist das jährliche Konzert im Park einer der
Höhepunkte seines Programms: «Es gibt vorher ein Picknick im Garten
und hinterher ein Feuerwerk über dem Schloss - wunderbar.» Wenn
gerade keine Musiker aufspielen, sind es vor allem der Park und eine
270 Meter lange Lindenallee, die die Besucher begeistern.
Gebaut wurde Schloss Bothmer in den Jahren 1726 bis 1732. Bis 1945
war es im Besitz der Familie von Bothmer, zu DDR-Zeiten diente es als
Altenpflegeheim. Seit der Wende hat sich allerdings wenig getan,
mehrere Versuche einer Privatisierung scheiterten. «Der Zustand ist
noch schlechter als 1990», bedauert Nordmann. Seit Februar gehört das
Schloss wieder dem Land, das eine Sanierung für 18,5 Millionen Euro
plant.
Seit 1999 in Privatbesitz ist dagegen Schloss Kalkhorst. Wenn das
rot geklinkerte Herrenhaus sprechen könnte, hätte es bestimmt einige
spannende Geschichten zu erzählen: Typhuslazarett und Lungenklinik,
Kurheim und Psychiatrie - all das war das im 19. Jahrhundert
errichtete Gebäude schon. SS-Chef Heinrich Himmler war kurz vor Ende
des Zweiten Weltkriegs einige Zeit lang hier und ließ sich den Inhalt
des Weinkellers schmecken. Später lebte die Schriftstellerin Christa
Wolff hier ein halbes Jahr lang. «Beschrieben hat sie die Region in
ihrem Buch "Kindheitsmuster"», erzählt «Schlossherr» Manfred Rohde,
der Zimmer in den alten Gemäuern vermietet, dort eine
Steuerberaterkanzlei betreibt und gerade im Sommer viele
Hochzeitspaare zu Gast hat.
Denn für Hochzeitsfotos bietet sich das grüne Ambiente von
Kalkhorst hervorragend an. Der 13 Hektar große Landschaftspark gelte
als eine der artenreichsten Gartenanlagen Deutschlands, sagt Rohde
stolz: Von Orchideen bis zu einem gut 40 Meter hohen, 1871
gepflanzten Riesenmammutbaum aus Kalifornien reicht die Bandbreite.
Auch eine Atlaszeder von 1865 und einen Gingkobaum aus Ost-China
zählt Rohde zu den Stars seines Anwesens. Weit fällt der Blick über
die von hohen Bäumen umfasste Rasenfläche. Die Ostsee und Boltenhagen
sind von hier aus gar nicht so weit, aber der Trubel am Badestrand
erscheint Lichtjahre entfernt.
INFO-KASTEN: Schloss Bothmer und Schloss Kalkhorst
ÖFFNUNGSZEITEN: Die Parkanlage von Schloss Bothmer ist noch bis
September täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr geöffnet, im Oktober bis
18.00 Uhr. Der Park in Kalkhorst ist bis zum 3. Oktober täglich von
10.00 bis 15.30 Uhr zugänglich.
EINTRITTSPREISE: In Schloss Bothmer werden bis September täglich
um 10.30, 13.00 und 15.30 Uhr Führungen durch Schloss und Park für
3,50 Euro angeboten. Ausführlichere Touren gibt es an den Wochenenden
und Feiertagen jeweils um 11.30 und 14.30 Uhr für 6 Euro. In
Kalkhorst kostet der Eintritt in den Park 2,50 Euro pro Person.
INFORMATIONEN: Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern, Platz der
Freundschaft 1, 18059 Rostock (Tel.: 0381/403 05 00); Internet:
Link: www.auf-nach-mv.de, Link: www.mv-schloesser.de, Link: www.schloss-kalkhorst.de.
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