Pattaya (dpa) - 18. November 2008
Neue Zähne und günstiges Golfen: Vieles lockt Touristen nach Pattaya
Pattaya ist ständig im Wandel. Erst waren nur
die Fischer hier, dann US-Soldaten während des Vietnamkriegs. Später
begann die unrühmliche Zeit der Sextouristen. Heute kommt ein bunter
Mix aus aller Welt zum Feiern, Einkaufen und Baden an den Golf von
Siam. Darunter sind Rentnerpaare und Familien mit Kindern aus
Deutschland, Gruppen aus Russland und Korea sowie Urlauber aus den
USA und Australien, für die hier an der thailändischen Küste die
Luxushotels und Restaurants erschwinglicher sind als in ihrer Heimat.
Es fliegen auch Gäste aus Nahost ein, um kleinere oder größere
Leiden in Privatkliniken zu kurieren und anschließend unter Palmen zu
entspannen. Designerbrillen, neue Zähne und Anti-Aging-Behandlung:
Der Gesundheits- und Schönheitsmarkt boomt in der Region. Baden ist
für viele Besucher dagegen nur Nebensache. Kein Wunder: Phuket und
Koh Samui haben schönere Strände zu bieten. Dafür machen in Pattaya
die Golfplätze, Maßschneidereien, Optiker, Elefanten- und Blumenparks
meist gute Erlöse, und natürlich auch die Discos und Bars.
«Wer hier kein Geld verdient, macht etwas falsch», sagt Bob
Harjani, der eine Stunde vor Mitternacht seinen Laden schließt.
«Lancer» heißt seine Maßschneiderei. Sie liegt an der «Walking
Street», die parallel zum Ozean verläuft. Dazwischen gibt es
massenhaft Souvenirshops, Fischrestaurants, Bars und Discos. Nachts
wird sie zur Fußgängerzone, in der die Urlauber flanieren. Für
Harjani, der aus Indien stammt, gehört das alles zum Alltag.
Es ist ein buntes Varieté, das sich da erleben lässt. Ein
«Ladyman», wie Naomi Campbell geschminkt und gestylt, zeigt seine
Reize. Ein Thai-Papa hat für seine achtjährige Tochter einen Tisch
aufgestellt, auf dem sie Kunststückchen vorführt. Die Touristen geben
dafür gern ein paar Münzen. Überall plärrt Musik. Ein Paar aus London
schiebt einen Kinderwagen durch die Menge, und ein Reiseführer aus
Korea schwenkt aufgeregt sein Fähnchen, damit die Gruppe aufschließt.
Bob Harjani lächelt über das Treiben auf der «Walking Street».
Maßgeschneiderte Anzüge kosten bei ihm 60 bis 400 Euro. Mehr als 200
auf Touristen eingestellte Schneiderläden gibt es in Pattaya, etliche
sind noch billiger als Harjanis. Zu den Angeboten gehört aber noch
mehr, zum Beispiel der «Zahntourismus». Michael Schlatter spricht das
Wort so locker aus wie «Golfurlaub»: «Mundpropaganda und Empfehlungen
sind das Wichtigste», sagt der Zahntechniker aus Baden-Württemberg.
Knapp 40 Mitarbeiter hat seine Klinik, darunter Laborkräfte,
Assistenten und drei thailändische Zahnärzte. Es gibt etliche
Urlauber, die ihren Reiseplan nach ihrem Zahnarzttermin richten.
Nach Pattaya kommen natürlich auch viele Urlauber, die nur Sand,
Sonne, Einkäufe und Ausflüge genießen. Fünf-Sterne-Hotels locken mit
Preisen, die anderswo in Drei-Sterne-Anlagen verlangt werden. Auch
Ausflüge gibt es günstig. Die örtliche Tochter der Rewe-Touristik
verlangt für eine Tour ins Elefantendorf mit Dickhäuter-Reiten zum
Beispiel 700 Bath (15,40 Euro). Ein Tagesausflug nach Bangkok ist für
35 Euro zu haben, die zweitägige Tour zur Riwer Kwai Brücke für 63
Euro. Ähnlich sind die Preise bei anderen Konzernen wie Thomas Cook
und TUI. Lokale Reisebüros offerieren teils noch günstigere Angebote.
Golfer können in einem Umkreis von 50 Kilometern um Pattaya unter
20 verschiedenen Anlagen wählen. «Die Qualität unserer Golfplätze hat
internationalen Standard, die Preise liegen deutlich darunter», sagt
Chaiwat Charoensuk, der Chef der regionalen staatlichen
Tourismusbehörde TAT. Auch sieben Elefantenparks hat die Region.
Einen Dickhäuter reiten können Touristen zum Beispiel im «Pattaya
Elephant Village» von Phairat Chaiyakham. Das Eintrittsgeld soll dort
das Leben der Tiere sichern. «Wir haben "Bettelelefanten" von der
Straße geholt und kümmern uns um verletzte Tiere», sagt Chaiyakham.
Ziel sei es, die Dickhäuter irgendwann in die Wildnis zu entlassen.
Auf den Speiseplänen der Urlauber stehen vor allem Langusten und
frischer Fisch, Reis- und Nudelgerichte. Auch Gourmet-Restaurants
sind mittlerweile zu finden. Die «Casa Pascal» des Schweizers Pascal
Schnyder gehört dazu wie das «Manhattan Steakhouse» und «Bruno's
Restaurant». «Pattaya hat heute genug Besucher, die sich zu einem
Fünf-Gänge-Menu einen Wein für 150 Euro leisten können», sagt
Schnyder. Den Rekord hätten zwei Koreaner aufgestellt: «148 000 Bath,
etwa 3260 Euro, für Menu, edle Obstbrände und erstklassige Weine
waren auf der Rechnung. Auch das ist Pattaya.» Der Sonntagsbrunch ist
aber für 15 Euro zu haben, viele Hotels locken mit günstigen Büfetts.
«Der Trend geht bei Hotels und auch bei deutschen Touristen in die
Oberklasse», sagt Danilo Becker von der Rewe-Touristik-Tochter.
Holger Groninger vom Management eines Hotels am Pier der Fischer- und
Ausflugsboote bestätigt das: «Die Auslastung bei uns und generell in
der Vier- und Fünf-Sterne-Klasse ist gut. Viele Luxusanlagen sind im
Bau.» Aber auch für 40 Euro am Tag lässt es sich gut leben:
Ordentliche Zimmer mit Dusche, Klimaanlage und Fernsehen sind ab
umgerechnet knapp 15 Euro zu haben, ein Moped pro Tag ab 5 Euro.
«Heiße Öfen» mit 750 Kubikzentimeter kosten etwa 20 Euro. Aber
Vorsicht: Eine Versicherung gibt es oft nicht. Auch das ist Pattaya.
INFO-KASTEN: Pattaya in Thailand
REISEZIEL: Pattaya liegt am Golf von Siam, knapp 160 Kilometer
südöstlich von Bangkok. Zentrum und Ferienanlagen erstrecken sich gut
15 Kilometer entlang der Küste. Jährlich 4,4 Millionen Ausländer
machen hier Urlaub oder Kurzbesuche, davon 210 000 aus Deutschland.
ANREISE UND FORMALITÄTEN: Von Deutschland aus fliegen Lufthansa,
Thai Airways und Air Berlin/LTU direkt nach Bangkok. Der Reisepass
muss noch mindestens sechs Monate gültig sein. Beim Aufenthalt von 30
Tagen bis zwei Monate ist ein Visum nötig. Vom Flughafen Bangkok nach
Pattaya sind es 90 Minuten mit dem Taxi (für umgerechnet etwa 25
Euro) oder knapp zwei Stunden mit dem Minibus (für etwa 8 Euro).
KLIMA UND REISEZEIT: Tropisches Klima. Weniger heiß ist es von
November bis Februar mit Tagestemperaturen von 25 bis 30 Grad.
INFORMATIONEN: Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Bethmannstraße
58, 60311 Frankfurt (Tel.: 069/138 13 90).
INTERNET: Link: www.thailandtourismus.de.
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