Rotorua/Taupo (dpa) - 26. November 2008
"Auf dem Highway zur Hölle: Vulkane und Geysire in Neuseeland besuchen"
In grauer Vorzeit ging es dem Mond
schlecht, und er wurde krank. Daraufhin nahm er ein Bad im Heilwasser
von Rotorua, kam rasch wieder zu Kräften und zieht seither strahlend
seine Bahn am Himmel. Maori-Legenden wie diese ranken sich um viele
Plätze in Neuseeland. Vor allem die Gegend zwischen Rotorua und Taupo
auf der Nordinsel steckt voller Sagen, Mythen und Märchen des
Südseevolkes, das die Inseln lange vor den Europäern besiedelte.
/(
)/ Neuseeland ist in jeder Beziehung jung und dynamisch, nicht nur,
weil es als letztes Land der Welt entdeckt wurde - auch im
geologischen Sinne überstürzt sich die Entwicklung. Vor allem die
Nordinsel ist ein tektonischer Hexenkessel. Unter Neuseeland kocht
der Erdmantel: Hier taucht die Pazifische Erdplatte ab und schiebt
sich unter die Australische Platte. Das führt immer wieder zu
Erdbeben und Vulkanausbrüchen. Zwischen Rotorua, Taupo und Tongariro
sieht man aber nicht nur Vulkankegel, sondern auch viele «Hot Spots»
mit Geysiren, Fumarolen, kochenden Schlammlöchern oder heißen
Quellen. Es sind beeindruckende Naturschauspiele, die Geologen
nüchtern als «postvulkanische Erscheinungen» bezeichnen.
/(
)/ Die Straße, die diese Orte verbindet, heißt treffend «Thermal
Explorer Highway» - man könnte sie aber auch «Highway zur Hölle»
nennen, denn zwölf Kilometer nordöstlich von Rotorua liegt Hell's
Gate, mit vier Hektar Fläche eines der größten Thermalgebiete der
Region. Auch das Städtchen Taupo am gleichnamigen See ist im wahrsten
Sinne des Wortes atemberaubend: Schwefelgestank liegt in der Luft,
Rauchschwaden vernebeln den Blick, dampfspeiende Fumarolen zischen
direkt neben der Hauptstraße aus dem Boden.
/(
)/ Zu den schönsten Thermalgebieten auf der Nordinsel zählt Orakei
Korako im «Hidden Valley», einem Tal rund 70 Kilometer südlich der
Stadt Rotorua. Man erreicht es auf einer Nebenstraße, die bei der
Ortschaft Golden Springs von der Landeshauptstraße 5, dem «Thermal
Explorer Highway», nach Westen abzweigt. Diese Nebenstraße endet an
einem Café am Ufer des Ohakuri-Sees. Ein Boot bringt die Besucher in
fünf Minuten über den See ins Thermalgebiet.
/(
)/ «Orakei» bedeutet in der Maori-Sprache «Ort des Schmückens»: Die
farbenprächtigen, mineralhaltigen Pools dienten einst den
Maori-Häuptlingen als Wellness-Center und Schminkstube. Auf einer
zweistündigen Wanderung über gut ausgebaute Stege und Wege kommen
Urlauber aus dem Staunen nicht mehr heraus: Schlammlöcher blubbern
und schmatzen, Kieselerde-Ablagerungen schillern in allen Farben des
Regenbogens. Daneben gibt es perlende «Champagner-Pools» und
strahlend weiße Sinterterrassen zu sehen - und das alles eingebettet
in ein üppig-grünes Tal mit riesigen Silber-Baumfarnen, den
sogenannten Pongas, die zu den Wahrzeichen Neuseelands gehören.
/(
)/ Für die Maori symbolisieren die Baumfarne den Beginn des Lebens.
Das Symbol eines aufkeimenden Farnblattes, das «Koru» genannt wird,
steht außerdem für Stärke, Wachstum und Zukunft und versinnbildlicht
damit recht gut das neuseeländische Lebensgefühl. Farnblätter, die
sich gerade entrollen, sieht man in Neuseeland nahezu überall -
manchmal sogar mitten im Gesicht eines Maori, die dieses Motiv hin
und wieder als Tätowierung tragen. Auch in der Schnitz- und Webkunst
der Maori findet es sich als wesentliche Grundlage. Selbst das
Leitwerk jedes Flugzeugs von Air New Zealand zeigt das Motiv.
/(
)/ Besucher in Orakei Korako dürfen sich ohne Führer bewegen. Sie
sollten aber unbedingt auf den vorgeschriebenen Wegen bleiben und die
Warnschilder ernst nehmen. Das kochend heiße Thermalwasser ist
überall, und Leichtsinn wird mit Verbrühungen bestraft. Der
«Diamant-Geysir» gleich am Anfang des Rundweges spritzt sein
kochendes Wasser bis zu acht Meter hoch in die Luft, manchmal im
Minuten-Rhythmus, manchmal im Abstand von mehreren Stunden. Das
Wasser zerstiebt im Sonnenlicht zu winzigen Tröpfchen, die wie
Diamanten glitzern.
/(
)/ Der Weg führt an Kieselerdebecken vorbei, die mal orange und braun
gefärbt erscheinen, dann wieder in grünen und gelben Tönen leuchten.
Am Ende führt der Pfad hinab zur Ruatapu-Höhle, an deren Grund die
Thermalquelle Waiwhakaata, das «Spiegel-Becken», aus dem Boden tritt.
Es heißt, wer seine linke Hand in dieses warme Mineralwasser hält und
sich heimlich etwas wünscht, dessen Wunsch gehe in Erfüllung. Der
Säuregehalt des Wassers und seine mineralische Zusammensetzung haben
aber auch eine ganz praktische Seite: Es reinigt Schmuck. Ein Ring,
fünf Minuten in das Wasser gelegt und leicht gerieben, erstrahlt
anschließend in neuem Glanz.
/(
)/ Neben der imposanten Natur ist aber auch der liebenswürdige
Menschenschlag die Reise nach Neuseeland wert: Selbst als Tourist
wird man von den Inselbewohnern privat eingeladen, ein geselliger
Abend mit gutem Essen und vollen Weingläsern ist garantiert.
Neuseeländer interessieren sich eben für Europäer, die um die halbe
Welt fliegen, um das «Kiwi-Country» zu besuchen. Auf den Inseln, die
von der Fläche her etwas größer sind als Westdeutschland, leben nur
vier Millionen Menschen. Die Folge ist nicht nur viel Platz für die
Bewohner, sondern auch eine ausgeprägte Gastfreundschaft. In diesem
Punkt sind die Neuseeländer wie die Iren: Über das Wetter können sie
sich immer unterhalten - sei es der Sturm, der von der Küste
heranjagt, oder der jüngste Erdrutsch.
/(
)/ Wichtiger als das Wetter ist eigentlich nur noch Rugby. Der harte,
aber faire Sport geht den Neuseeländern über alles. Wer in der
Rugby-Nationalmannschaft mitmischt, ist auf den Inseln ein Volksheld.
Die Kiwis haben aber nicht nur das «All Blacks» genannte Team fest in
ihr Herz geschlossen, sondern auch ihr raues und zugleich einzigartig
schönes Land. Mit trockenem Witz trotzen sie Unwettern,
Überschwemmungen oder Erdbeben - und genießen andererseits das Leben
in der Natur und das Zusammensein mit der Familie.
/(
)/ Das hat etwa zur Folge, dass viele Läden bereits um 17.00 Uhr
schließen. Statt länger im Laden zu arbeiten, schlüpft der Inhaber
lieber in seine Stiefel und verbringt den Abend etwa am Fluss beim
Fliegenfischen. Denn die Neuseeländer sind ein angelverrücktes Volk.
Der Lake Taupo und seine Zuflüsse zählen zu den weltbesten
Angelplätzen, um große Regenbogen- und Bachforellen zu fangen.
/(
)/ Mehr als 100 000 Forellen überlisten Neuseelands Angler jedes Jahr
im Lake Taupo. Viele davon sind groß - es heißt, dass der
Wasserspiegel des Sees sinke, wenn Angler einen Fisch an Land ziehen.
Das ist eine schöne Anekdote, die aber leicht übertrieben ist, denn
der Lake Taupo ist der größte See Neuseelands und der drittgrößte der
südlichen Hemisphäre. Entstanden ist er durch ein tektonisches
Desaster vor mehr als 20 000 Jahren: Die Explosion eines Supervulkans
hinterließ eine riesige Caldera, die sich später mit Wasser füllte.
/(
)/ Wer als Tourist auf einem aktiven Vulkan tanzen möchte, dem sei
White Island empfohlen. Das Eiland, 50 Kilometer nordöstlich vor
Whakatane in der Bay of Plenty gelegen, ist Neuseelands einziger
aktiver Inselvulkan. Dort dürften sich Besucher wie auf einen anderen
Planeten versetzt fühlen: Eine Insel ohne Vegetation, dafür mit
brodelnden Schlammtümpeln, gelben Schwefelbergen und einem
schillernden Krater, in dem giftig-grünes Wasser kocht. Eine düstere
und abweisende Insel, die zum Himmel stinkt - aber zugleich ein
faszinierender Ort, der einen Einblick in die Urzeiten der
Erdgeschichte gewährt. Oder schaut man hier womöglich direkt in den
Vorhof der Hölle?
/(
)/ Das Fauchen der Fumarolen und das Knirschen der Schritte im
Lavagrus hinterlassen bei manchen Besuchern einen mystischen
Eindruck. Jederzeit kann der Vulkan Asche, Bimsstein oder Lava
ausspucken, ständig liegt eine weithin sichtbare Rauchfahne über der
Insel. Täglich werden Hunderte von Erdbeben registriert, die meisten
sind aber glücklicherweise so schwach, dass nur die Seismographen sie
bemerken.
/(
)/ Trotzdem ist White Island nicht nur für Vulkanologen und andere
Wissenschaftler zugänglich, sondern auch für Touristen, die im
Hafenstädtchen Whakatane bei einigen Veranstaltern Tagesausflüge mit
Booten buchen können. Bevor sie auf die Insel dürfen, müssen sie
allerdings einen Schutzhelm aufsetzen und bekommen eine
Atemschutzmaske in die Hand gedrückt. Zwar liegt der letzte große
Ausbruch schon sieben Jahre zurück - aber man kann ja nie wissen.
/(
)/ INFO-KASTEN: Neuseeland
/(
)/ REISEZIEL: Neuseeland liegt südöstlich von Australien im Pazifik.
/(
)/ ANREISE UND FORMALITÄTEN: Deutsche benötigen zur Einreise einen
Reisepass. Ein Visum ist nur erforderlich, wenn sie länger als drei
Monate im Land bleiben möchten. Flüge von Europa nach Auckland dauern
mit Umsteigen mehr als 24 Stunden. Air New Zealand fliegt zweimal
täglich mit Zubringern von deutschen Flughäfen von London-Heathrow
nach Auckland: Einmal westwärts mit Stopp in Los Angeles, einmal
ostwärts mit Stopp in Hongkong. Andere Fluggesellschaften legen
Umsteigestopps zum Beispiel in Singapur, Dubai oder Bangkok ein.
Innerhalb Neuseelands reisen Urlauber am besten mit einem Leihwagen.
/(
)/ KLIMA UND REISEZEIT: Mildes Meeresklima mit warmen Sommern auf der
Nordinsel. Der Frühling beginnt im September. Die beste Reisezeit ist
von Oktober bis März. Mitte Dezember bis Ende Januar sind manche
Hotels ausgebucht, weil dann viele Neuseeländer Sommerferien haben.
/(
)/ WÄHRUNG: Ein Euro ist rund 2,15 Neuseeland-Dollar wert (Stand:
September 2008).
/(
)/ ZEITUNTERSCHIED: Neuseeland ist Mitteleuropa je nach Jahreszeit um
zehn bis zwölf Stunden voraus.
/(
)/ INFORMATIONEN: Tourism New Zealand, 80 Haymarket, London SW1Y 4
TQ, Großbritannien (Tel. von Deutschland: 0044/720/79 30 16 62).
/(
)/ INTERNET: Link: www.newzealand.com.
/(
)/ACHTUNG: Kommenden Dienstag (30. September) sendet der Themendienst
einen Reisebericht von Christian Röwekamp über den neuen Blues Trail
im US-Bundesstaat Mississippi.
|