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Grand Junction - 14.11.2011
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Bandiagara (dpa) - 20. Januar 2009

- In dem Club hoch über den Dächern Berlins sieht

Dem Reiseleiter stehen die Schweißperlen auf der Stirn - nicht nur der Hitze wegen. Gerade hatte ein ahnungsloser Tourist mit seinem Rucksack einen der locker aufgeschichteten Sandsteine aus einer Umfassungsmauer zum Wackeln gebracht. «Um Himmels willen. Aufpassen! Wäre der Stein heruntergefallen, hätten wir hier jetzt ein stundenlanges Palaver. Das wäre ein schlimmer Tabubruch.» Denn hinter der Mauer wohnt der Hogon des Dorfes Djigibombo, eine Art Hohepriester. Und die Dogon im westafrikanischen Mali glauben, dass ein herabfallender Stein aus dieser Mauer Unglück über das ganze Dorf bringen würde.

Schon vor dem Besuch des ersten Dogon-Dorfes hatte Said El Idrissi el Bechkaoui, Studienreiseleiter aus München, die Gruppe auf die Regeln eingeschworen: Nie vom Pfad abweichen. Immer im Gänsemarsch dem einheimischen Dorfführer folgen, der stets vorangeht. Sich nie ohne zu fragen auf irgendwelche Steine setzen, auch wenn sie geradezu einladend neben einer Hütte herumliegen.

Die Besichtigung der abgelegenen und schwer zugänglichen Dogon-Dörfer im südöstlichen Mali unweit der Grenze zu Burkina Faso ist kompliziert: Überall lauern Dämonen, und fast an jeder Hausecke könnte ein nichtsahnender Europäer ins Fettnäpfchen treten und eines der vielen Tabus verletzen. Manche Wege und Plätze sind für Frauen verboten, andere für Männer.

Die Dogon leben in mehreren hundert kleinen Dörfern an der Falaise von Bandiagara, einem 300 Meter hohen Felsabsturz, der sich nach Süden zur Gondo-Ebene öffnet. Bis heute kleben viele der Dörfer wie bizarre Nester an den gelbroten Sandsteinfelsen. Je weiter man sich vom Hauptort Sanga entfernt, der über eine Straße von Mopti aus zu erreichen ist, desto ursprünglicher wird das Alltagsleben.

In Niongono, das man nach zwei Stunden Fahrt mit dem Geländewagen von Bandiagara aus über eine Buschpiste erreicht, gibt es keinen Strom, kein Beton, kein Wellblech, keinen Plastikmüll. Der nächste Markt ist erst nach drei Stunden Fußmarsch zu erreichen. Das ganze Dorf ist aus Sandsteinen und Lehm gebaut, die Hirsespeicher tragen Mützen aus Stroh. Eine Gruppe Kinder eilt herbei und singt zur Begrüßung ein Lied, einfach so. Frauen stampfen Hirse unter Baobab-Bäumen, Männer bewässern am Dorfrand sattgrüne Zwiebelfelder.

Die Dogon haben sich bis heute ihre animistischen und patriarchalischen Traditionen bewahrt, auch wenn der Islam inzwischen die meisten Dörfer erobert hat. «Mehr als 50 Prozent der Dogon sind Muslime, aber zugleich sind 100 Prozent auch Animisten», sagt Said El Idrissi, Islamwissenschaftler und Reiseleiter. Viele Dogon haben sich bislang dem Islam entziehen können. Ahnenverehrung, religiöse Kulte und der Glaube an die kosmischen Kräfte bestimmen ihr Leben.

Ihrem Glauben zufolge schuf Amma, der einzige Gott, Himmel und Erde, Sonne, Mond, Sterne und mehrere Untergötter. Für die Sonne nahm er rotes Kupfer, das er erhitzte, für den Mond dagegen weißes Kupfer. Einen Menschen schuf er bei hellem Licht, deshalb wurde er schwarz, einen anderen bei schwachem Mondlicht, und deshalb «sehen die Weißen so bleich aus wie Larven». Zu den wichtigsten Kulten zählt der Maskentanz, der als Totenfeier zelebriert wird und normalerweise mehrere Tage dauert. Für die «bleichen Larven» - die Touristen - wird der Maskentanz heute in bestimmten Dörfern aber auch als einstündige Veranstaltung gegen Bezahlung aufgeführt.

Andere Traditionen sind für einen Europäer dagegen kaum tolerierbar, etwa die Beschneidung der Mädchen, die auf eine Genitalverstümmelung hinausläuft. Bis heute wird jedes Dogon-Mädchen beschnitten. «Ja, die Mädchen freuen sich sogar darauf, es ist für sie ein Festtag», sagt Dorfführer Amadou Karibé. Die Besucher erfahren, dass die Beschneidung der jungen Mädchen tief in der Mythologie der Dogon verankert und eng mit der Schöpfungsgesichte verbunden ist. Immerhin ahnt man jetzt, warum eine solche Tradition nicht so einfach aus der Welt geschafft werden kann, obwohl auch in Mali die Beschneidung der Mädchen seit langem offiziell verboten ist.

Auch die Jungen werden nicht verschont. Alle drei Jahre findet für die Jugendlichen dreier Jahrgänge ein gemeinsames Initiationsritual statt. In dem Dorf Songo versammeln sie sich für mehrere Wochen unter einer überhängenden, reich bemalten Felswand oberhalb des Dorfes. Der Dorfschmied nimmt die Beschneidung vor - für die Jungen ist es zwar nur ein kurzer Schnitt, aber der wird ohne Betäubung ausgeführt.

Amadou Karibé erklärt das komplizierte Ritual: «Die Jugendlichen dürfen dabei nicht weinen oder schreien», sagt er. Doch es gibt eine kleine Hilfe: Bei der Beschneidung stehen die anderen Jungen daneben und singen laut. «Auf diese Weise wird der eine oder andere Schluchzer übertönt.» Ist nach zwei, drei Wochen alles verheilt, feiert das Dorf ein großes Fest.

Höhepunkt ist ein Wettlauf der frisch gekürten Männer. Sie rennen von einem großen Mangobaum am Dorfrand hinauf zur Felswand und schlagen mit der Hand auf einen runden Kreis. Wer erster wird, erhält von der Dorfgemeinschaft einen gefüllten Hirsespeicher. Der zweite bekommt das schönste Mädchen des Dorfes und der dritte ein Rind. «Bei Ihnen in Europa wäre die Reihenfolge vielleicht anders. Doch hier ist die Hirse das wichtigste», sagt Amadou.

INFO-KASTEN: Dogonland in Mali

ANREISE UND FORMALITÄTEN: Air France fliegt täglich von verschiedenen deutschen Flughäfen über Paris nach Bamako, der Hauptstadt Malis. Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise nach Mali ein gültiges Visum. Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate lang gültig sein.

REISEZEIT: November bis März.

GESUNDHEIT: Eine gültige Impfung gegen Gelbfieber ist für alle Reisenden vorgeschrieben. Das Auswärtige Amt empfiehlt außerdem Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Polio und Hepatitis A sowie eine Malariaprophylaxe.

INFORMATIONEN: Botschaft der Republik Mali, Kurfürstendamm 72, 10709 Berlin (Tel.: 030/319 98 83, Internet: Link: www.ambamali.de), Internet: Link: www.auswaertiges-amt.de.

 

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