Passau (dpa) - 20. März 2009
Kreuzfahrthafen Passau - Die Dreiflüssestadt ist ein Touristenmagnet
Die Schiffe am Kai der Donaupromenade in Passau
tragen Namen wie «Bellissima» oder «Primadonna». Sie fahren nach
Wien, Budapest und sogar bis ins Donaudelta am Schwarzen Meer. Einige
von ihnen steuern auch Koblenz und Düsseldorf an. Etwa 214 000
Passagiere zählten die Behörden im vergangenen Jahr. «Passau ist
weltweit ein Begriff», sagt Oberbürgermeister Jürgen Dupper nicht
ohne Stolz, «hier checken mehr Passagiere ein als in vielen deutschen
Hochseehäfen.»
Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs wurde die Donau wieder als
große europäische Wasserstraße attraktiv. Passau im Südosten Bayerns
an der Grenze zu Österreich hat davon profitiert. «1992 machten
Kreuzfahrtschiffe 181 Mal fest, im vergangenen Jahr schon 1751 Mal»,
sagt Stadtsprecherin Susanne Gabriel. «Für dieses Jahr sind mehr als
1900 Anlegungen gemeldet.»
Ungeachtet der Touristenströme blieb in der Altstadt die
Atmosphäre erhalten. Reisende loben das südländisch anmutende Flair.
Man merkt, dass hier italienische Baumeister am Werk waren. Im
Zentrum erhebt sich am höchsten Punkt der Stephansdom mit seinen
Zwiebeltürmen. Er wurde zwischen 1668 und 1693 erbaut. Zu der Zeit
war Passau ein bedeutendes unabhängiges Fürstbistum - bis die
Säkularisation 1803 die Geistlichkeit entmachtete und die Stadt zu
Bayern kam.
Für Passau braucht der Besucher etwas Zeit. Viele versäumen die
Gelegenheit zu einer ausführlicheren Besichtigung. «Es sind Gäste,
die nach der Anreise direkt aufs Schiff gehen und anschließend sofort
wieder abreisen», sagt Gabriel. «Im Durchschnitt übernachtet ein
Kreuzfahrtgast eine Nacht in Passau.»
Das belgische Ehepaar Louise und Bernard Mercier allerdings will
drei Tage bleiben, ehe das Schiff zur gut zweiwöchigen Fahrt ins
Donaudelta ablegt. Dem Mann hat es besonders der Dom angetan: «Die
Orgel hat 17 774 Pfeifen und 233 Register, sie ist die größte
katholische Kirchenorgel überhaupt», schwärmt er. Die größte Pfeife
sei mehr als elf Meter hoch, die kleinste messe gerade sechs
Millimeter. Man kann sie vom 2. Mai bis 31. Oktober werktags um 12.00
Uhr und an Donnerstagen um 19.30 Uhr hören. Die Kreuzfahrtschiffe
laufen Passau allerdings schon im März an und fahren ihre Touren bis
Ende Dezember. «Touristische Hochsaison ist aber von Mai bis
September», erläutert Gabriel.
Wie ein Schiffsbug streckt sich Passau mit seiner Ortsspitze in
den Zusammenfluss von Donau, Ilz und Inn. In den engen, zum Teil
steilen mittelalterlich anmutenden Gassen trifft man nur wenige
Spaziergänger, ebenso am Ufer des Inn. Schönes Wetter lässt die
Gefahren vergessen, die der Dreiflüssestadt von den Wassermassen
immer wieder drohen. An einer Wand des mittelalterlichen Rathauses
ist angezeichnet, welche Maximalhöhen der Flusspegel bisher
erreichte. Das letzte schwere Hochwasser im Jahr 2002 überflutete
weite Teile der Altstadt.
Passau mit seinen heute etwa 50 000 Einwohnern kann auf eine lange
Geschichte verweisen. Keltischer Donauhafen, römisches Kastell bis
476, bajuwarische Herzogsburg, seit 730 Bischofssitz und
Ausgangspunkt der Missionierung Österreichs, 1225 mit Stadtrechten
versehen - das sind die wichtigsten Stationen. Die Fürstbischöfe
ließen sich außer ihrem prächtigen Dom ein Palais und ein Opernhaus
im frühklassizistischen Stil errichten, das heute als Stadttheater
dient.
Die schönste Aussicht auf Passau bietet die Veste Oberhaus hoch
über dem linken Donauufer, der einstige fürstbischöfliche Sitz. Mit
etwas Kondition geht es einen Treppenweg hinauf, bequemer ist es mit
«Wolfi», der Stadtrundfahrt mit etlichen Zu- und
Aussteigemöglichkeiten. In der Burg ist ein Stadtmuseum eingerichtet.
Wer sich für sakrale Kunst interessiert, müsse unbedingt den
Domschatz mit seinen kostbaren liturgischen Gewändern und gotischen
Tafelbildern besuchen, empfiehlt Bernard Mercier.
Im eher konservativen Passau begann die Karriere einiger bekannter
Kabarettisten: Bruno Jonas, Ottfried Fischer und andere traten im
«Scharfrichterhaus» auf, einer Kleinkunstbühne in einem einst dem
Henker dienenden mittelalterlichen Gebäude. Hape Kerkeling bekam hier
1983 einen Nachwuchspreis. Nicht nur Studenten der Universität
schätzen die verbalen Spitzen der Künstler gegen Politik und
Gesellschaft.
Als Oase zum Entspannen und Speisen bietet sich unter anderem die
«Heilig-Geist-Stift-Schenke» im Zentrum an. Attraktion ist der von
Wein überwucherte geräumige Wirtsgarten. «Saures Lüngerl müssen Sie
probieren», rät Bedienung Ludmyla aus der Ukraine, die ihren
bayerischen Kolleginnen hilft, im wichtigsten Kreuzfahrthafen an der
Donau die Touristenmassen zu bedienen. «Die Gäste sind ein
bedeutender Wirtschaftsfaktor», sagt Susanne Gabriel. Für Nachschub
ist gesorgt. Die dicht nebeneinander liegenden Schiffe am Kai
beweisen es.
Informationen: Passau Tourismus, Rathausplatz 3, 94032 Passau
(Tel.: 0851/95 59 80, E-Mail: E-Mail: tourist-info@passau.de, Internet:
Link: www.passau.de).
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