Lake Louise (dpa) - 10. November 2009
Keine Angst vor dem Tiefschnee: Wie Ski-Träume in Kanada wahr werden
Staubender Pulverschnee, glitzernde
Eiskristalle, tänzerisch anmutende Schwünge durch den Hang und dann
der Blick zurück auf die eigene Spur: Eine Tiefschneeabfahrt abseits
des Pistenrummels beschert Ski-Könnern oft ein Feuerwerk an
Glücksgefühlen. Doch ist das für Normal-Skifahrer ein unerreichbarer
Traum? Keineswegs, das Tiefschneefahren ist nur eine Frage der Übung.
«Jeder kann Tiefschneefahren lernen», sagt der Skilehrer Bap
Koller. Kanada ist die zweite Heimat des Bayern, die Rocky Mountains
mit ihren bis zu acht Metern Neuschnee pro Saison sind sein Zuhause.
Das sichere Beherrschen des normalen Parallelschwungs auf der Piste
reiche als Eintrittskarte aus, erklärt Koller. Wer zudem noch etwas
Kondition mitbringt, sei schon gerüstet für das Abenteuer, das in
vielen Spielarten wartet: Von unpräparierten Varianten-Abfahrten über
sogenannte Ski-Touren bis hin zu dem auch in Europa immer populärer
werdenden «Cat-Ski» und zum «Heli-Ski».
Über Tiefschneelust oder Tiefschneefrust entscheiden die vier
großen Ws: Wie? Mit wem? Womit? und Wo? Ernst Garhammer, mehrfacher
Europameister und Weltcupsieger im Freestyleskifahren, bietet in den
Alpen Tiefschnee-Camps an. Spezielle Kurse gibt es aber auch in
vielen örtlichen Skischulen, etwa am Arlberg.
Das A und O der Tiefschnee-Technik heißt: den Rhythmus halten und
Rücklage vermeiden. Wer hinten absitzt, dem brennen nach spätestens
zwei Abfahrten die Oberschenkel, und der Tag ist gelaufen. Das
Skifahren im Gelände ist ohnehin anstrengend genug. Die richtige
Technik ist deshalb ein Muss. «Aber auch der richtige Ski macht
vieles leichter», sagt Koller. Die in Europa beliebten Slalom- und
Race-Carver sind dabei alles andere als optimal fürs Gelände. Schmal
tailliert, bringen sie im tiefen Schnee zu wenig Auftrieb. Mit den
fast doppelt so breiten «Powder Fat Skies» wird der Tiefschneeritt
für durchschnittlich gute Pistenfahrer aber bald viel einfacher.
Der richtige Ski macht also vieles leichter - aber erst der
richtige Schnee macht es perfekt. Und wohl nirgendwo ist der Schnee
trockener und damit leichter zu fahren als in Nordamerika. «In den
USA und Kanada fährt jeder Skifahrer im Gelände eine Klasse besser
als zu Hause», beobachtet Koller. Und da es in der Regel häufiger
Anders als in Europa, walzen die Kanadier nicht jede Schneeflocke
gleich mit der Pistenraupe platt - in den großen Skigebieten von
Alberta und British Columbia wie Lake Louise, Banff-Sunshine,
Panorama oder Fernie bleiben neben den bestens präparierten Pisten
viele Abfahrten ungespurt. Hinzu kommen viele «Bowls», also
naturbelassene Talschüsseln, die zum Skigebiet dazugehören. Von der
Bergwacht ständig auf Lawinengefahr hin kontrolliert, werden sie zur
sicheren Spielwiese für Tiefschnee-Abenteuer mitten im Skigebiet.
Ein noch schöneres Naturerlebnis bieten zum Beispiel die «Powder
Cowboys» mit ihrem «Cat-Ski»-Angebot im Südosten British Columbias.
Von einer Ranch aus starten sie mit einer «Pistenkatze» mit
Fahrgastzelle zu den umliegenden Gipfeln. Von dort gleitet die Gruppe
durch Wälder und über offene Hänge ins Tal, wo die Pistenraupe schon
für den nächsten Aufstieg wartet. So kommen 8 bis 14 Abfahrten pro
Tag zusammen - mitten in der Natur, ohne Hütten und Skitrubel. «Hier
gehört uns der Champagne-Powder ganz allein», sagt Ski-Guide Duncan.
Das Areal der «Powder Cowboys» ist so groß wie ein durchschnittliches
Skigebiet, befahren wird es aber von höchstens 24 Personen pro Tag.
Noch eindrucksvoller ist für viele nur noch das «Heli-Skiing» -
auch wenn es wegen der Umweltbelastungen viele Kritiker hat und die
Kosten für diese Art des Skifahrens alles andere als gering sind. Zu
den Angeboten in Kanada zählt etwa die vom Unternehmen Great Canadian
Heli-Skiing zwei Autostunden westlich von Banff angebotene
Luxusvariante «Unlimited». Nur vier Gäste fliegen pro Hubschrauber
mit, und es gibt kein Höhenmeter-Limit. So sind zwölf Abfahrten und
mehr am Tag zu schaffen. Andere Anbieter kassieren nach einer
bestimmten Zahl von Flügen dagegen für jeden weiteren
Helikoptereinsatz nach.
«Bei uns weiß der Gast vorher exakt, was er zahlt, und dann soll
er ohne Einschränkungen einfach nur genießen können», erklärt Inhaber
Greg Porter. «Genießen» ist sein Lieblingswort. Wen wundert's, dass
einer seiner Ski-Guides im Sommer Winzer ist. Seine Rotweine gibt es
am ersten Abend - zur Beruhigung. Denn wie bei allen «Cat-Ski»- und
Heli-Anbietern muss man auch hier erst vertraglich auf alle Ansprüche
an den Veranstalter im Falle eines Unfalls verzichten. «Da schimmert
der Totenkopf förmlich durchs Papier», scherzt einer der Teilnehmer.
Doch Sicherheit wird in Kanada groß geschrieben. Vor dem ersten
Flug geht es wie zuvor beim «Cat-Skiing» erst zum Lawinenkundeseminar
mit Suchübungen, dann folgt die Helikopter-Einweisung - und dann erst
hebt man ab. Riesige Gletscher, unberührte Tiefschneehänge und die
nächsten Orte zum Teil hunderte Kilometer entfernt - ein Traum in
Weiß. Auch Neulinge dürften sich ans «Heli-Skiing» wagen, meint
Koller. Ideal sei eine Tour, bei der sich der Gast drei Tage normal
im Skigebiet einfährt und dann für zwei Tage in den «Heli» steigt.
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