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Paris (dpa) - 07. Januar 2010

Weinland Frankreich - Verkostungstour mit wohlmundigen Tropfen

Ob bei einem leichten Anjou-Rosé im westfranzösischen Tal der Loire oder bei einem schweren und teuren Châteauneuf-du-Pape aus dem Süden an der Rhône, es ist immer etwas fürs Auge, für den Gaumen und auch für das Herz dabei. Denn wo Wein wächst, in Frankreich also fast überall, kommt man bei einem Glas rasch mit naturverbundenen Einheimischen ins Gespräch. Dann hebt oft ein bodenständiges Philosophieren über die Welt an, Stolz über die Güte des letzten Jahrgangs blitzt aus den Augen des Winzers in seinem Keller, während er ein Glas ausschenkt. Was kann mehr Spaß bereiten, als feine Weine zu probieren und ganz nebenbei zu lernen, was Boden und Rebsorte zum Geschmack beitragen?

Frankreich ist zwar nicht die Wiege des Weins. Es ist aber unbestreitbar trotz aller verschärften Konkurrenz das Epizentrum der Passion, aus edlen Gewächsen wohlmundende Tropfen zu machen. Im Land der Kathedralen, Küsten und Kochkünste, das für alle Welt ein Touristenmagnet ist, drängt sich eine Entdeckungsreise auf den Spuren des Rebensaftes geradezu auf - es sind Streifzüge durch anmutige Weinberge, mit denen Frankreich gesegnet ist. Wie harmonisch Natur und Winzerkultur hier verschmelzen, wie erholsam ein Spaziergang durch schier endlos mit Rebstöcken bepflanzte Hügel sein kann und mit welcher Inbrunst der Weinbauer seine Flaschen im Keller preist - all das macht solch eine Reise zu einem lustvollen Ereignis.

Den einen zieht es für ein langes Wochenende in einen Landgasthof nach Chablis oder Sancerre. Ein anderer quartiert sich - umgeben von Weinbergen - für eine Woche in einem Mas, einem fein ausgebauten provenzalischen Gutshof, ein. So kann er bei offenem Fenster nächtigen, während ein leichter Wind die Blätter der Rebstöcke wie ein grünes Meer wogen lässt.

Wer auf längere kulturell-kulinarische Erkundungstouren geht, für den ist das Auto als Fortbewegungsmittel kaum geeignet. Frankreichs Innenminister Nicolas Sarkozy hat die Verkehrskontrollen verschärfen lassen, und man ist doch gekommen, um spielend Neues in Sachen Wein zu erfahren. Also bietet sich das Wandern auf den dafür ausgewiesenen Routen an, mancherorts die Pferdekutsche oder ein Boot. Eine Alternative sind Reisen mit dem Rad - aber auch hier gilt: Vorsicht!

Kommt der gern gesehene «Weintourist» zur Erntezeit, stößt er nicht nur im Burgund auf die «Attention! Vendanges!»-Verkehrszeichen, denn dann haben die Winzer mit ihren Traktoren absolute Vorfahrt. In aller Regel ist das nächste laute Weinfest im Dorf nicht weit, auf dem auch die regionale Küche feilgeboten wird. Standen am noch nicht so heißen Vormittag romanische Kirchen-Kleinode inmitten violetter Lavendelfelder auf dem Programm, so lädt vielleicht am Abend schon das Fischlokal am Mittelmeer nach einer Verkostungstour à la Provence zur Bouillabaisse ein. Und schon wieder dazu gelernt: Die Vielfalt der Farben in der Natur spiegelt sich im Glas. Denn es gibt nicht nur einfach Weiß, Rot und Rosé: Der die Fischsuppe begleitende Rosé kann hellrosa, lachsfarben, gräulich schimmern oder ziemlich dunkel sein.

Eine Weinreise durch Frankreich kann im Uhrzeigersinn durch die Regionen des Landes führen, mit Halt in charmanten Herbergen. In der TOURAINE südwestlich von Paris macht sich neben der Pracht französischer Geschichte und Baukunst die Kraft der Loire bemerkbar. Dieser am wenigsten von Menschenhand gebändigte unter den großen Flüssen in Europa bietet nicht nur ein urwüchsiges Ambiente. Das von ihm erzeugte Mikroklima wirkt sich zusammen mit dem Gestein auch auf die ausgeprägten Cabernet-Franc-Weine von Chinon bis Bourgueil aus. Schon Englands König Richard Löwenherz und Honoré de Balzac liebten die Gegend mit den Loire-Schlössern Chenonceaux und Azay-le-Rideau.

Rendezvous in der CHAMPAGNE: Weil es hier im Norden etwas kühler sein kann, darf es doch gerne angenehm prickeln. Auf 70 hügeligen Kilometern verbindet eine «Route touristique du champagne» Reims und Epernay, die beiden ewig um die Vorherrschaft in der Region ringenden Rivalen. Etliche bildhübsche Winzerdörfer laden samt ihrer Weinkeller dazu ein, Station zu machen. Das Dorf Verzenay wartet dabei nicht nur mit einer Windmühle auf, sondern sogar mit einem Leuchtturm, der seit fast 100 Jahren für Champagner wirbt und heute ein Weinmuseum ist.

Weintourismus kommt in Mode, und gerade das BURGUND setzt alles in Bewegung, um den Weg durch anmutige Gegenden in kühle Keller angenehm zu gestalten. So ist auf Hunderten von Kilometern eine «Burgund-Tour auf dem Rad» möglich. Ein Abstecher in das architektonisch aufregende Beaune mit seinen glasierten Ziegeldächern drängt sich auf. Denn gerade an der Côte de Beaune, einem Paradies der Weißweine, ragt auch gediegene mittelalterliche Kultur auf. Davon zeugen Rochepot mit dem stattlichen Château oder auch die Schlösser von Volnay und Nolay.

Etwas mehr abseits für Feinschmecker und Weinliebhaber liegt weiter südlich rund um Beaujeu das für seinen «Primeur»-Rummel im Spätherbst bekannte BEAUJOLAIS. Dabei ist die bildhübsche Landschaft der ausgedehnten Weinberge, übersät mit «Cadoles» genannten kleinen Steinhäusern, eine Perlenkette von Dörfern mit wohlklingenden Namen und wohlschmeckenden Weinen: Saint-Amour, Juliénas, Chénas, Fleurie, Morgon und Brouilly. Das Office du Tourisme in Beaujeu bietet nicht weniger als 16 Wanderungen durchs Beaujolais an.

Kann es für Genießer denn Schöneres geben, als in der PROVENCE mit Blick auf «La Grande Bleue», das Mittelmeer, Siesta zu halten, sich ein Glas Weißen aus Cassis oder Bandol zu gönnen und schon mal das Abendessen zu planen? Auf dem Weg von hier ostwärts entlang der Küste hin zum Maurengebirge und Saint-Tropez lösen sich die Weinterrassen, felsigen Buchten und feinen Strände in schöner Regelmäßigkeit ab. Das Côte-d'Azur-Département Var hat viel für Wanderer und Radfahrer getan. Es beherbergt vor allem sage und schreibe 18 noble Weingüter, deren Tropfen der Adelstitel für Weine, «Cru classé», schmücken darf.

Auch nach KORSIKA, der «Insel der Schönheit», brachten die Griechen Weinstöcke mit. Dieses einzigartige Gebirge im Meer bietet in Ajaccio, Figari und im Patrimonio immer bessere Qualitätsweine an, ist vor allem aber auch ein wunderbares Beispiel dafür, was das Füllhorn typischer Leckereien noch alles enthält, vom Honig und dem Kastanienmehl hin zum Olivenöl, dem Käse und korsischem Mineralwasser - neben der bizarren Landschaft regt alles darum herum die Sinne an.

Welch ein Naturspektakel offeriert dann die bizarre Südostecke Frankreichs und damit des ROUSSILLON, wo sich die Weinstöcke zwischen Collioure und Cerbère an steilsten Küstenhängen der Sonne entgegen strecken. Sie scheint hier im Jahr mehr als 2500 Stunden und lässt die Reben bis zur höchsten Reife wachsen. Die Terrassen-Weinberge der Hafenorte der Vermeille-Küste vor den Toren Spaniens liefern - nicht zuletzt in Banyuls - weiterhin den meisten lieblichen Wein des Landes. Er passt vorzüglich vor allem zu Entenstopfleber (foie gras) und Desserts.

Gerade die kleinen Weinbaugebiete im Süden haben es in sich. Dazu gehört auch, was am Westrand der Pyrenäen hoch in den Bergen rund um das Städtchen Irouléguy wächst und gedeiht. Man nimmt von den Surfern in Biarritz an der Biskaya Abschied und fährt die Départementstraße über Cambo-les-Bains durch die wilden Täler im französischen BASKENLAND. So erreicht der Weinliebhaber das nur 220 Hektar große Weinbaugebiet mit seinen abgelegenen Hängen. Kräftig und charaktervoll ist der Irouléguy - er feiert derzeit eine Renaissance.

Ideale letzte Station ist das Schlaraffenland der «Grand Cru»-Tropfen aus den Weinbergen rund um das mittelalterliche Städtchen Saint-Emilion im BORDELAIS. Der Ort, von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt, lädt zum Flanieren, zum Einkehren in seine Keller und auch zum Entdecken der ganz vom Wein geprägten sanft-hügeligen Landschaft östlich von Bordeaux ein. Jetzt empfiehlt sich ein Blick in den Kofferraum. Ist noch Platz für eine Kiste vom Roten? Die Schatzkiste der Erfahrungen ist jedenfalls schon randvoll.

 

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